Der Weg ist das Ziel – Berlin/Apulien (Reiserericht Teil 2)

Bozen-Santarcangelo di Romagna

Um kurz nach acht Uhr hatte ich mein Motorrad gesattelt und brach auf Richtung Venedig.
Diesmal wollte ich mir viel Zeit für eine relativ kleine Etappe von etwa 350 km gönnen.
Und zwar auf Nebenstrassen, der SS48 bis Predazzo und der SS50, die über die Dolomiten nach Venedig führen. Aber schon nach kurzer Zeit musste ich feststellen, dass ich mich verfahren hatte. So fuhr ich dann einfach über den Passo Pellegrino, was ich aber gar nicht bereut habe.

P8049027 Passo San Pellegrino
Die „Drei Zinnen“ vom Passo San Pellegrino aus gesehen


Diese Strecke mit Haarnadelkurven und Tunnels auf halsbrecherischen Steigungen, bzw. Gefällen quer durch eine atemberaubende Landschaft hat mich zu vielen Pausen verführt. Zuletzt an einem eiskaltem Gebirgsbach, wo ich unterwegs gekauftes Weissbrot, Hühnerbein und Parmesan mit großem Genuss verspeiste.
Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich für nur 150 km fast acht Stunden unterwegs gewesen war. Ich musste mich jetzt schon beeilen, um mein anvisiertes Tagesziel inclusive einem eventuellen Zwischenstop in Venedig noch vor Anbruch der Dunkelheit zu erreichen.

P8049100 Bergbach
Bergbach in den Dolomiten


Venedig hat mich jedoch gleich wieder ausgespuckt – irgendwie gelangte ich am Hafen auf eine Straße, die sofort wieder aus der Stadt führte. Und so machte ich mich gleich weiter bis Santarcangelo di Romagna in der Nähe von Rimini auf, wo meine Freundin Sue schon auf meinen Anruf wartete. Von dort aus ist die Strecke an der „Via Adriatica“ – abgesehen vom Meer, auf das man manchmal Ausblick hat – leider relativ reizlos für Motorradfahrer.

P8049154 Venedig
Venedig sehen und sterben?


In Santarcangelo di Romagna wurde ich von Sue abgeholt, alleine hätte ich den ehemaligen Steinbruch, auf dem die „Mutoid Waste Company“ schon vor über 20 Jahren ein Wagendorf gegründet hatte, niemals gefunden.
Nach einem leckeren Essen und angeregten Unterhaltungen verzog ich mich – voll von Impressionen – in meinen zugewiesenen Wohnwagen, wo ich bald in tiefen Schlaf fiel.

P8069229 Santarcangelo di Romagna
Steinbruch bei Santarcangelo di Romagna


Eigentlich wollte ich nur einen Tag pausieren, aber als es an den nächsten zwei Tagen wie aus Kübeln schüttete, war ans Weiterfahren gar nicht zu denken.
Am dritten Tag machte ich mich morgens auf den Weg, nachdem ich im nahen Rimini noch eine neue Batterie für meine SR besorgte hatte.
1400 km hatte ich nun schon geschafft, ich war skeptisch, ob ich die restlichen knapp über 700 km an diesem einem Tag schaffen würde.

P8059175 Animation
Körperkultur in Rimini


Wieder ohne wesentliche Pausen fuhr ich die geradlinige und ebene Strasse von Rimini bis Pescari durch die Orte, hielt an tausend roten Ampeln. Ab dann führten die mindestens ebenso langweiligen, aber weniger zeitraubenden Strassen an den meisten Dörfern und Städten vorbei, vor Foggia wurde die SS16 schliesslich zweispurig und ich kam zügig voran. Trotzdem merkte ich kurz vor Bari nach fast zwölf Stunden Fahrt, dass mein anvisiertes Ziel schwer am gleichen Tag zu erreichen ist.

P8089285 Fischer in Bari
Fischer bearbeiten Tintenfische mit Holzbrettern


In Bari suchte ich mir – möglich Dank meiner italienischen Telephonkarte inclusive Internetzugang – ein billiges Hostel im Zentrum. Als ich dort ankam, wurde ich gleich vom Betreiber Francesco zum Abendessen eingeladen.
Nach einer ausgiebigen Dusche machte ich dann noch einen Spaziergang zum Hafen.
Zurück im Hostel war ich hundemüde und schlief den Schlaf der Gerechten, bis mich ziemlich früh morgens das Geschnarche eines der Mitbewohner in dem Acht-Bett-Zimmers weckte.

Fortsetzung folgt…

4 thoughts on “Der Weg ist das Ziel – Berlin/Apulien (Reiserericht Teil 2)

  1. mein Papa kommt aus Apulien. Da hast Du Dir nicht nur eine Hammer-Strecke ausgesucht, sondern auch ein interessantes Ziel (Apulien). Ich bin gespannt wie deine Reise (zumindest der Bericht) weitergeht…
    Danke für das Zeigen der Bilder…

    LG Gianpier

    1. Ich muss gestehen, dass der dritte Teil meines Reiseberichts bei mir etwas in den Hintergrund gerasten ist, ich werde den dritten teil aber noch schreiben.
      Schön, dass Deine Vorfahren aus Apulien stammen, dann bietet sich Dir sicherlich öfters Gelegenheit, dahin zu fahren?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *