Auf Wiedersehen, Flores (Reisebericht Teil 3)

Gunung Kelimutu

Unser nächstes Ziel waren die Kraterseen des Vulkans Kelimutu.
Moni ist ein kleines Dorf inmitten von Reisfeldern. Da der Ort aber der ideale Startpunkt für einen Ausflug zu den Seen ist, übernachteten wir dort – ebenso wie viele andere der zahlreichen Touristen, die dieses berühmte Naturschauspiel sehen wollten.

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Hängebrücke über einen Fluß


Wieder einmal waren wir mit der vorgeschlagenen Unterkunft unzufrieden, sie war uns schlichtweg zu teuer.
Auf den Alternativvorschlags unseres Guide gingen wir allerdings ein. Es war dort zwar ein wenig schmuddelig, aber der Preis war unschlagbar. Er selbst hatte dort auch seine Übernachtung geplant.
Die Bewohner von Moni haben sich auf den zunehmenden Besucherstrom eingestellt. Fast jeder bietet Unterkunft, Verpflegung und Transport an oder gibt sich als „Tourist-Information“ aus.
Die für Flores typischen Ikat-Stoffe werden verkauft und angeblich auch dort hergestellt.

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Kind vor Reisfeldern nahe Moni


Hochwertigere Stoffe sind üblicherweise aus natürlich gefärbter Baumwolle hergestellt. Kleine traditionelle Motive werden dabei auf schwarzen Hintergrund gewebt.
Nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten, suchten wir die heißen Quellen am Ortsrand auf. Diese waren von zwei einheimische Frauen besetzt, die sich nach Sonnenuntergang in der von Bäumen und Felsen umgebenen Quelle wuschen. Das zwischen den Steinen herausquellende Wasser ist über 30°C warm und ich hätte es ihnen zu gerne gleich getan.

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Schwein in Moni


Auf dem Rückweg zu unserem Hotel trafen wir einen jungen Kerl, der uns sein neu eröffnetes Restaurant empfahl, wo wir später auch tatsächlich ein sehr gutes Essen genießen konnten.
Nach der Nachtruhe ging es dann um vier Uhr morgens los.
Wir fuhren erst ein Stunde über Serpentinen auf den Berg zur Rancher-Station, wo wir mit einer mittelgroßen Gruppe von Touristen – die größte, die ich bis dahin auf Flores gesehen hatte – den restlichen ca. einstündigen Fußweg mit einem Führer zurücklegten.

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Zwei der drei Kraterseen des Kelimutu


Als wir am höchsten Punkt angekommen waren, lagen die Gipfel in einer dicken Nebelsuppe. Als kurz nach Sonnenaufgang jedoch die Nebelwolken aufbrachen, bot sich uns ein wahrlich mystischer Anblick.
Die drei säurehaltigen Seen des Kelimutu sind verschiedenfarbig und wechseln mit der Zeit ihre Farben.
Die Einheimischen glauben, dass dort die Seelen der Toten wohnen.

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Kinder versuchen, Papayas zu „angeln“


Später besuchten wir noch ein weiteres traditionelles Dorf – bedauerlicher Weise wieder zur Mittagszeit. Leider fanden wir – ausser ein paar Kindern, die vergeblich versuchten, mit einem langen Stab Papayas vom Baum zu pflücken – niemanden vor.
Die den Touristen dargebotenen Zeremonien und Tänze, die wir zu gerne kennen gelernt hätten, fanden zumeist erst abends statt – dann also, wenn sich unserer Fahrer vorzugsweise bereits in eine sichere Unterkunft zurück gezogen hatte.

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Traditionelle Hütten



Endstation Maumere

Beim einem nächsten – eigentlich ungeplanten – Stopp wollte uns los werden, indem er uns bei einer einsamen Hotelanlage ablud und versuchte, uns diese schmackhaft zu machen. Eine zweifellos ruhige und billige Unterkunft, wieder direkt am einsamen Strand und abseits von Siedlungen gelegen, er wollte dann alleine weiter fahren. Aber die Aussicht, die restliche Reise mit all unserem Gepäck im Mini-Bus und ohne sicheres Ziel fortzusetzen, erschien uns nicht sehr verlockend.

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Beim Blättern in einem Inonesien-Reiseführer aus den 90ern erkannte ich den Bungalo direkt hinter unserem wieder


Wir ließen uns nicht darauf ein und so musste er uns noch bis Waiara nahe Maumere bringen. Dort entschieden wir uns auch wieder gegen den „Rat“ unseres Wegbegleiters. Statt der angepriesenen von einem deutschen Pater geführten Tauchstation, wählten wir das nebenan gelegene „Sao Wisata Resort“, das ein einheimischer Manager führte. Im „Lonely Planet“ wurde sie als ehemals luxuriös, jetzt jedoch herunter gekommen beschrieben.

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Bei dem Tsunami von 1992 wurden ganze Bungalos einfach weg gerissen


1992 wurden bei einem verheerenden Erdbeben und den darauf folgenden Tsunami, bei dem es 2 500 Tote gab – fast alle aus dieser Region – die Hälfte der Bungalos einfach weggespült, der verbleibende Rest erheblich beschädigt.
Von da an blieben die gut zahlenden Gäste des bis dahin auf Flores bekanntesten Tauchressorts aus.
Da unsere Bedürfnisse nicht allzu hoch geschraubt waren, ließen wir uns nicht von mit Kreppband angeklebten Steckdosen, nicht funktionierenden TV und Telefon, sowie Löchern im Boden abschrecken. Dafür hatten wir zu einem sehr angemessenen Preis ein wirklich geräumiges Apartment mit Klimaanlage und Blick aufs Meer.

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Sonnenuntergang am Strand von Waiara


Und wir waren nun sehr erleichtert, nicht mehr von unserem stets schlecht gelaunten Fahrer abhängig zu sein.
Nach der ersten Nacht waren wir sehr überrascht, dass die bei unserer Ankunft vorgefundene Geschäftigkeit um die Bungalows herum über Nacht verschwunden war. Offensichtlich waren diese teilweise aus der Umgebung kommende Wochenendausflügler, die nur kurzfristig das Gelände in Beschlag genommen hatten. Wie wir dann von einer Praktikantin erfuhren, waren wir seit sieben Monaten die ersten zahlenden Gäste, was uns dann doch sehr erstaunte, zumal das von dem Pater geführte Resort fast ausgebucht war.

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Ein Tauchboot legt ab, nachdem es uns abgesetzt hat


Von dort aus unternahmen wir dann noch zwei absolut aufregende Tauchfahrten, wieder nach einer mehrstündigen Fahrt mit dem Tauchboot zu den Inseln Palau Besar und Palau Babi.
Im Gegensatz zum Hausriff des Sao Wisata, wo besagter Tsunami die sämtliche Korallenriffe nieder gewalzt hatte, war die Unterwasserwelt dort nahezu unbeschädigt von Naturgewalten und Dynamit-Fischerei.

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Schiffs-Mannschaft im Frachthafen von Maumere


In den nächsten Tagen verbrachten wir mehr Zeit mit den Franzosen, die wir dort wieder trafen, mit Ausflügen, gutem Essen etc.
Außerdem mieteten wir uns abermals ein Moped, um die dortige Umgebung zu erforschen.
Ein anderer Ausflug führte uns z.B. ins “Gipsy Village”. Im Norden von Maumere haben aus Sulawesi eingewanderte Volksgruppen ihre ärmlichen Hütten auf Stelzen im Meer gebaut.
Auch hier gab es auch hier wieder viele Kinder, die uns „Hello Mister“ rufend hinterher liefen.

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neugierige Kinder in Maumere


Beim Schnorcheln stellten wir fest, dass sich die Natur langsam wieder regeneriert,
Auf den zerstörten Riffs siedeln wieder neue Korallen und junge Riesenmuscheln, die sich blitzartig schließen, wenn der Schatten eines Schwimmers auf sie fällt. Wir konnten viele Fischarten beobachten, die sich die Korallenbänke wieder erobern. Das gibt ein wenig Hoffnung auch im Hinblick auf die zwar verbotene, aber dennoch praktizierte Dynamit-Fischerei, deren Verwüstungen wir einige Male beim Tauchen begegnet sind.

8663 junge Riesenmuschel
Auf zerstörten Korallenbänken beginnen Muscheln sich neu anzusiedeln


Am letzten Abend lud uns der Hotelmanager noch zu einem ausgiebigen Abendessen am Strand mit frisch gegrilltem Fisch und interessanten Gesprächen ein.
Nach wenigen Tagen bei Maumere wurde unsere Zeit knapp und wir mussten uns leider wieder auf den Rückweg Richtung Jakarta machen, wo unsere Reise sechs Wochen zuvor begonnen hatte. Wir nahmen noch herzlichen Abschied von „unserer Praktikantin“, die mit unserem Besuch endlich etwas zu tun hatte und der wir sehr ans Herz gewachsen waren.

8875 dem Himmel so nah…
Nonnen auf dem Weg ins Himmelreich

Fazit

Flores ist eine oder mehrere Reisen wert. Andererseits hätten wir besser vor der Buchung des Autos mit dem touristischen Anbieter verhandeln und zur Not noch etwas Geld drauf legen sollen, um die Gewährleistung unserer Wünsche sicher zu stellen. Es hätte sich auf jeden Fall gelohnt.
Wenn es möglich gewesen wäre, unsere Reise mit dem Moped zu unternehmen, wäre dies wahrscheinlich eine interessante Variante gewesen.

8783 on the road
Zwei Räder sind hier besser als vier


Gern hätten wir etwas mehr Zeit gehabt, um Land und Leute besser kennen zu lernen.
Am liebsten würde ich jedoch das nächste Mal mit (m)einem Motorrad die Insel durchqueren.

6 thoughts on “Auf Wiedersehen, Flores (Reisebericht Teil 3)

  1. Das ist alles sehr bildlich, ich kann mir vorstellen, daß das ein unvergessliches Erlebnis war.
    Das nächste Mal komme ich mit!

  2. Ich empfand diesen Reisebericht als durchaus lesenswert und hat mir Lust auf mehr gemacht.

    Ich weiß schon wohin ich mit meiner Lebensgefährtin den nächsten Ausflug plane.

    Gut finde ich die Vergleiche der Preise der Reisemöglichkeiten.

    Weiter so!

  3. Wenn Peter mitkommt, will ich auch mit. Aber mal ganz ernsthaft – ich finde, das ist ein interessanter, sehr anschaulicher Bericht und mit tollen Fotos untermalt. Das sollten mehr lesen – ich werds gleich mal twittern.

  4. Die Wahl eines Begleiters für solch eine Reise ist nicht unwichtig. Ich werde beim nächsen Mal versuchen, mehr darauf zu achten und an Euch denken…
    Danke für das Feedback!

  5. Hi,
    super Reisebericht. Wir wollen im Okt. nach Flores. War es einfach einen Fahrer zu finden? Wir sind nämlich am Überlegen ob wir ne Tour von Deutschland aus vorbuchen sollen oder uns halt in Lab. selbst einen Fahrer suchen.
    Gruß
    Antonia

    1. Hach, ich nehmt mich doch mit!
      Im Ernst:http://www.denckste.de/wp-admin/edit-comments.php#comments-form
      Es gibt vor Ort genug Möglichkeiten, einen Fahrer zu buchen, es gibt einige kleine „Reisebüros“, wo Du entsprechende Angebote bekommst. Achte besser darauf, dass Du den Verlauf der Fahrt und die Stops selbst bestimmen kannst, vielleicht wirds dann n’bisserl teurer, aber andererseits ist der Preis für unsere Verhältnisse sowieso äusserst günstig.
      Ich würde Euch gerne eine Empfehlung geben, finde aber die Telefonnummer leider nicht. Ich könnte aber eventuell – wenn gewünscht – nachforschen…

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