Auf Wiedersehen, Flores (Reisebericht Teil 2)

Stock und Stein

Nach einigen Tagen und weiteren Tauchgängen beschlossen wir dann, gen Osten weiter zu ziehen. Um die Insel besser kennen zu lernen, mieteten wir uns ein Auto samt Fahrer. Mit dem Mini-Bus, dem so genannten Bemo, wären wir wesentlich billiger gefahren, doch sind diese meist völlig überfüllt. Die Serpentinen lassen so manchen reisekrank werden, der normalerweise nicht so empfindlich ist – und es gibt keine Möglichkeit, zwischendurch mal anzuhalten um die unglaublich schöne Geografie auf sich einwirken zu lassen. Darum erschien uns diese Reisevariante weniger reizvoll.

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Das Bemo, das wohl am häufigsten benutzte Transportmittel auf Flores


Mit unserem Fahrer Robert hatten wir allerdings auch nicht viel Glück, ich glaube, wir hatten den einzigen griesgramigen Menschen in ganz Indonesien erwischt. Hinzu kam, dass er äußerst schlecht Englisch sprach und sich die Verständigung dadurch ziemlich schwierig gestaltete.
Somit erhielten wir leider nur dürftige Hintergrundinformationen zu den Orten, die wir besuchten.

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Dorfbewohner warten auf das Eintreffen der angekündigten Besucher


Außerdem wollte er nur an den von ihm bestimmten Stellen anhalten und war versessen auf die Einhaltung seines Zeitplans.
Wir waren ihm wohl viel zu eigensinnig. Als wir dann unvorhergesehen in einem Dorf zur Begrüßungszeremonie für die Frau des Gouverneurs – die im Zuge der Präsidentschaftswahl mit Gefolge über die Insel tourte – eingeladen wurden und nach dem anschließenden Essen erst nach mehr als zwei Stunden weiter fuhren, hatten sich seine Mundwinkel weit nach unten gezogen.

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Übergabe der Gastgeschenke bei der Begrüßungs-Zeremonie


Die Bewohner von Flores sind nette, zuvorkommende Menschen, die neugierig auf westliche Besucher sind und – obwohl die meisten keine Fremdsprachenkenntnisse besitzen – einen immer wieder in ein „Gespräch“ verwickeln wollen.
In jenem Dorf lernten wir auch den Englisch-Lehrer der örtlichen Schule kennen, der bereitwillig für uns übersetzte. Heute werden die Kinder auf Flores in Englisch unterrichtet, denn Touristik wird, wie in vielen anderen Gegenden Indonesiens, als ein für die Zukunft wichtiger Wirtschaftsfaktor bewertet.

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Tag der Zeugnisausgabe in Labuan Bajo


Den restlichen Tag trieb uns Robert stets zur Eile an und ließ uns bei den nächsten Halts kaum ein paar Minuten aussteigen ohne ungeduldig zu werden.

Zum Glück war es bei den „Spinnennetz-Reisfeldern“ kurz vor Ruteng anders. Nachdem wir in einem ärmlichen Bauernhaus der Mama eine obligatorische Spende hinterlassen und ein paar Gratis-Postkarten gekauft hatten, führte uns eine Schar Kinder zum höchsten Punkt, von wo wir dann mit dem Blick auf ein Atem beraubenden Panorama belohnt wurden.

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„Spider Web Rice Field“ bei Ruteng


Jede Familie besitzt Ihr eigenes Feld. Beim Erbe wird es unter den Kindern aufgeteilt. Somit entstehen immer feiner Spinnennetze. Der Platz in der Mitte bleibt frei, denn dort finden Zeremonien statt.

Den zweiten Minuspunkt sammelten wir, als wir am Abend in Ruteng nach der Besichtigung der freien Zimmer im von ihm präferierten Hotel nicht übernachten wollten. Die einzigen freien Zimmer waren entweder zu schmuddelig oder zu teuer.

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In diesem Haus haben wir uns in die Gästeliste eingetragen


Vor dem Hotel gab uns der Fahrer einer anderen Reisegruppe den Tipp, es im christlichen Konvent zu versuchen, dort wäre es billig.
Trotz unserer Skepsis ließen wir uns hin fahren und nachdem wir ein Zimmer gesehen hatten stand fest: Wir bleiben hier.

Im Hause traf man ständig auf singende und arbeitende Nonnen und ich bin mir sicher, dass wir die sauberste Unterkunft in ganz Indonesien gefunden hatten. Es gab sogar warmes Wasser!

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Danau Ranamese


Am nächsten Morgen, nach einem einfachen Frühstück, ging es dann weiter Richtung Bajawa. Den ersten längeren Stopp legten wir am Danau Ranamese ein, der in einem Naturschutzgebiet ca. 22 km von Ruteng entfernt liegt.
Der uns zugewiesene Rancher musste mit einer Machete erst den Weg zu einem Wasserfall frei hauen. In der Zwischenzeit wurden wir von Moskitos und Blutegeln drangsaliert. Aber das Erlebnis im nahezu ursprünglichen Dschungel war die Strapazen allemal wert.

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Ein junger Beobachter vor einem kleinen Restaurant, in dem wir während eines Zwischenstops zu Mittag aßen



Und weiter geht’s

Bei unseren nächsten Stops – hauptsächlich an zweifellos grandiosen Aussichtspunkten, wo wir höchstens für ein paar Sekunden aussteigen durften, um kurz ein paar Schnappschüsse zu schießen – kreuzten wir mehrmals den Weg eines Paares aus Frankreich, das mit seinen drei Kindern eine ähnliche Tour über Flores unternahm. Deren freundlicher Fahrer hatte uns schon den Tipp für die Unterkunft in Ruteng gegeben.

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Sich im Schlamm suhlende Büffel


Auch für diese Nacht hatte er einen umwerfenden Tipp für eine Übernachtung: Er führte uns vor der Stadt Aimere zu dem nur wenige hundert Meter von der Hauptstraße abgelegenen, über einen holprigen Weg zu erreichenden winzigen Ort Waelengga, wo Arak gebrannt wird. Am abgelegen Strand hat der ehemals in Belgien lebende Florinese Francisco ein Hotel, das „Mbalata Beach Inn“, eröffnet – noch zu frisch, um bereits vom „Lonely Planet“ beachtet zu werden. Ich war erst die zehnte, die sich ins Gästebuch eingetrug.

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Ein menschenleerer Strand mit Ausblick auf den Gunung Inerie, was will man mehr?


Der menschenleere Strand, die geringe Anzahl der lediglich vier Bungalows, die nahe gelegenen Mangroven und die Aussicht auf den Gunung Inerie – ein perfekt geformter Vulkan – erschien uns an diesem Abend der ideale Platz zum Übernachten zu sein.
Leider war unser Fahrer anderer Ansicht, er weigerte sich dort zu bleiben. Lieber hätte er uns in der nächsten Stadt in einem Hotel abgeliefert; wahrscheinlich auch um seine Provision einzustreichen und jene Freunde zu treffen, mit denen er dauernd telefonierte.

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Mangroven in der Abenddämmerung


Es bedurfte einiger Diskussionen und gutem Zureden durch den Fahrer unserer französischen Freunde, um ihn umzustimmen.
Das abends in der provisorischen Küche – einem Lagerfeuer neben dem Restaurant – zubereitete Essen, eigens frisch für uns besorgter Fisch mit Gemüse, Reis und einer delikaten scharfen Chili-Soße, war unvergesslich. Wir verbrachten zusammen mit unserer französischen Familie und Francisco einen anregenden und zugleich entspannten Abend.

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Restaurant des „Mbalata Beach Inn“ mit Bungalos im Hintergrund


Am nächsten Morgen war der sonst umsichtige und eher träge Fahrstil unseres Fahrers nicht wieder zu erkennen. In seiner Wut fing er an zu rasen, was angesichts des schlechten Zustands der Straßen und der Serpentinen einem schon mal den Adrenalin-Spiegel in die Höhe trieb.
Wir jedoch – ich war diesen Fahrstil von meinem damaligen Begleiter durchaus gewohnt – haben uns lediglich darüber amüsiert, was ihn dann doch – auch wegen der stärker anschwellenden Berge entlang der landeinwärts führenden Straße – schließlich doch wieder ruhiger werden ließ.

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Zwischen den „Ndaduh“ und „Bhaga“ befinden sich Gräber


Dann besuchten wir noch eines der um Bajawa gerne besuchten traditionellen Dörfer. In Wogo sind die Häuser U-förmig um einen Platz gebaut. In der Mitte des Dorfes stehen die Ahnen, symbolisiert durch die männlichen schirmähnlichen Ngaduh und die wie kleine Häuschen aussehenden weiblichen Bhaga.
An diesem eben erst angebrochenen Tag schien es uns dort für indonesische Verhältnisse ungewohnt aufgeräumt und einsam.

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Tradition und Moderne in Wogo


Tatsächlich lebten in diesem Dorf wohl nur einige wenige Menschen, meistens werden aber in der Haupt-Touristik-Zeit abends den Besuchern die urtümliche Lebensart und alte Riten mit dem entsprechendem Tamtam vorgeführt.

Der nächste – eher zwangsmäßige – Halt war in Mataloco, einem Dorf, in dem gerade Markttag war. Die einzige Straße war durch das somit verursachte Verkehrsgewimmel von Lastwagen und Mopeds völlig verstopft. So hatte ich willkommene Zeit, um einige schöne Fotos zu machen.

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Markttag


An der Blue Stone Beach, wo blaue Kieselsteine angespült werden, die überallhin in die Welt exportiert werden, traf unser Chauffeur andere ihm bekannte Fahrer, wodurch sich dann nochmals etwas Zeit zum Verweilen ergab. Auch bei einer weiteren Zwangspause an einer Baustelle konnten wir uns die Füße vertreten.

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„Blue Stone Beach“


Der nächste und letzte Teil diese Reiseberichtes handelt vom Besuch des Kelimutu und unseren letzten Tagen in Maumere.

10 thoughts on “Auf Wiedersehen, Flores (Reisebericht Teil 2)

  1. Thank you, you really have helped us. You make the photos about Flores it’s a real natural beauty. As Flores people, I really feel proud of our island. See the picture above I know you are traveling from the western island of Flores to the east or from east to west. Thank you for visiting our island.

  2. Hello Frans,
    thank you very much for your massage!
    I really fell in Love with Indonesia, especially Flores. My travel on Flores started in Labuan Bajo and we went to Maumere.
    I hope to come back soon!!!
    Reading your email-adress I’m thinking you are working in the Kommodo National Park, don’t you?

  3. I am not work in the Komodo National Park, but only driver and tour guide in Flores Island. Just coincidence, I have “Komodo Park” a domain name.

  4. Thank you, Frans for new Informations and your link.
    I’m sorry about the demolitions of the tornado at Mbalata Beach Inn.
    Good to hear, Francesco build a new restaurant.
    For all readers who want to visit Flores:

    Mbalata Beach Inn im Internet:
    http://bit.ly/fAp8Q7

  5. Thanks for the link. Francesco almost finished building restaurant. Everything is fine and good, on the inside they are also planning to build mini-bar and little traditional live music area.

    1. Nein, ich komme ursprünglich aus Süddeutschland, wohne aber mehr als die Hälfte meines Lebens in Berlin.

  6. Hello my name is Esteban,I come from Belgium ,I am 8 years old. I visited Mbalata beach on décember 2010 and I had good memories there. I was fishing there with Jou,I was walking with Ida and Armando. All people there are very freindly, thanks .
    I remember all the names of the dogs: Manis ,Nakal,Roky and Nggalang.
    I hope will come back again for visit them.

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